Karten zum weltweiten Fossilbericht zeigen große Wissenslücken
24. September 2026
Paläontologen haben eine Weltkarte als Leitfaden für Fossiliensucher gezeichnet: Sie identifizieren weltweit Regionen aus bestimmten Erdzeitaltern, aus denen bisher kaum Fossilien bekannt sind. Die Übersicht zeigt, wo sich die Suche nach vergangenem Leben für Forschende besonders lohnt. Vor allem geologische Schichten aus der jüngeren Erdgeschichte sind in vielen Regionen noch unerforscht. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.
Fossilien lassen uns tief in die Erdgeschichte blicken. Sie liefern Aufschluss über ausgestorbene Tiere und Pflanzen sowie vergangene Ökosysteme. Allerdings ist der Fossilbefund sehr unvollständig: Dass ein Lebewesen überhaupt zum Fossil wird, ist ein seltener Zufall, und nur ein kleiner Teil wird tatsächlich überliefert. Hinzu kommt, dass aus vielen Regionen keine Fossilfunde dokumentiert sind – sei es, weil die Gegenden unzugänglich sind oder sie bisher aus anderen Gründen nicht beforscht wurden.
Thomas A. Neubauer von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) und Mathias Harzhauser vom Naturhistorischen Museum Wien (NHM Wien) haben in ihrer Studie die Lücken im weltweiten Fossilbestand der artenreichen Flachwasserbereiche der Ozeane identifiziert. Dazu durchsuchten sie die Archive der Paleobiology Database (PBDB), der weltweit wichtigsten frei zugänglichen Datenbank für Fossilfunde. Diese umfasst alle publizierten und digital erfassten paläontologischen Informationen.
Anschließend unterteilten sie die Welt in gleichmäßige Sechsecke (Hexagone) und übertrugen die räumliche Ausdehnung aller Fossilfunde der marinen Flachwasserablagerungen der letzten 540 Millionen Jahre auf diese Weltkarten. Für 49 Zeitschnitte wurden die Karten so zurückgerechnet, dass sie die jeweilige historische Lage der Kontinente berücksichtigen. Die Forscher übertrugen die bekannte Ausdehnung geologischer Ablagerungen auf die Karten, um darzustellen, wo es noch potenzielle Gebiete gibt. Darüber hinaus quantifizierten sie den Wissenszuwachs für jedes Hexagon für jeden Zeitschnitt. Auf diese Weise kann gezeigt werden, welche Regionen gut dokumentiert sind und wo große Wissenslücken herrschen.
Die Auswertung zeigt: Paläontologisch gut untersucht sind vor allem das frühere Erdmittelalter (Mesozoikum) und Erdaltertum (Paläozoikum). Dort erwarten Neubauer und Harzhauser auch in naher Zukunft keinen nennenswerten Zuwachs an Fossilfundstellen. Die Forschung über diese Erdzeitalter scheint hauptsächlich in bereits gut untersuchten Gebieten durchgeführt zu werden. Am dünnsten ist die Abdeckung des Fossilberichts in der jüngeren Erdgeschichte: Zu den noch am wenigsten erforschten Bereichen gehören die Flachwasserablagerungen aus der Erdneuzeit.
"Wir waren überrascht, wie groß die Areale sind, aus denen keinerlei Informationen vorliegen", sagt Harzhauser. "Aus vielen Regionen werden wir nie Daten erheben können, weil hier keine Ablagerungen erhalten sind. Das sind unüberwindliche Grenzen für den Wissenszuwachs, die von uns erstmals quantifiziert und dargestellt werden." Dem gegenüber stehen Regionen, die Fossilfunde potenziell beherbergen, aber bisher noch kaum untersucht wurden. "Dass viele Regionen der Erde noch unerforscht sind, macht Hoffnung auf spannende Neuentdeckungen – so sind unsere Karten eine Art Wegweiser für künftige Forschungsprojekte und ein Leitfaden für Fördergeber", so Neubauer vom SNSB.
Publikation: Neubauer, T.A., Harzhauser, M. 2026. Staking out the frontiers: the limits of the metazoan shallow marine fossil record. Science Advances.
Pressefotos zum Download
Wissenschaftlicher Rückfragehinweis
Univ.-Prof. Dr. Mathias Harzhauser
Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung, NHM Wien
Tel.: +43 1 52177-250
mathias.harzhauser@nhm.at
Allgemeiner Rückfragehinweis
Mag. Irina Kubadinow
Leiterin Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin, NHM Wien
Tel.: +43 1 521 77-410
irina.kubadinow@nhm.at
Mag. Klara Vakaj
Pressereferentin, NHM Wien
Tel.: +43 1 521 77-626
klara.vakaj@nhm.at
Thomas A. Neubauer von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) und Mathias Harzhauser vom Naturhistorischen Museum Wien (NHM Wien) haben in ihrer Studie die Lücken im weltweiten Fossilbestand der artenreichen Flachwasserbereiche der Ozeane identifiziert. Dazu durchsuchten sie die Archive der Paleobiology Database (PBDB), der weltweit wichtigsten frei zugänglichen Datenbank für Fossilfunde. Diese umfasst alle publizierten und digital erfassten paläontologischen Informationen.
Anschließend unterteilten sie die Welt in gleichmäßige Sechsecke (Hexagone) und übertrugen die räumliche Ausdehnung aller Fossilfunde der marinen Flachwasserablagerungen der letzten 540 Millionen Jahre auf diese Weltkarten. Für 49 Zeitschnitte wurden die Karten so zurückgerechnet, dass sie die jeweilige historische Lage der Kontinente berücksichtigen. Die Forscher übertrugen die bekannte Ausdehnung geologischer Ablagerungen auf die Karten, um darzustellen, wo es noch potenzielle Gebiete gibt. Darüber hinaus quantifizierten sie den Wissenszuwachs für jedes Hexagon für jeden Zeitschnitt. Auf diese Weise kann gezeigt werden, welche Regionen gut dokumentiert sind und wo große Wissenslücken herrschen.
Die Auswertung zeigt: Paläontologisch gut untersucht sind vor allem das frühere Erdmittelalter (Mesozoikum) und Erdaltertum (Paläozoikum). Dort erwarten Neubauer und Harzhauser auch in naher Zukunft keinen nennenswerten Zuwachs an Fossilfundstellen. Die Forschung über diese Erdzeitalter scheint hauptsächlich in bereits gut untersuchten Gebieten durchgeführt zu werden. Am dünnsten ist die Abdeckung des Fossilberichts in der jüngeren Erdgeschichte: Zu den noch am wenigsten erforschten Bereichen gehören die Flachwasserablagerungen aus der Erdneuzeit.
"Wir waren überrascht, wie groß die Areale sind, aus denen keinerlei Informationen vorliegen", sagt Harzhauser. "Aus vielen Regionen werden wir nie Daten erheben können, weil hier keine Ablagerungen erhalten sind. Das sind unüberwindliche Grenzen für den Wissenszuwachs, die von uns erstmals quantifiziert und dargestellt werden." Dem gegenüber stehen Regionen, die Fossilfunde potenziell beherbergen, aber bisher noch kaum untersucht wurden. "Dass viele Regionen der Erde noch unerforscht sind, macht Hoffnung auf spannende Neuentdeckungen – so sind unsere Karten eine Art Wegweiser für künftige Forschungsprojekte und ein Leitfaden für Fördergeber", so Neubauer vom SNSB.
Publikation: Neubauer, T.A., Harzhauser, M. 2026. Staking out the frontiers: the limits of the metazoan shallow marine fossil record. Science Advances.
Pressefotos zum Download
Wissenschaftlicher Rückfragehinweis
Univ.-Prof. Dr. Mathias Harzhauser
Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung, NHM Wien
Tel.: +43 1 52177-250
mathias.harzhauser@nhm.at
Allgemeiner Rückfragehinweis
Mag. Irina Kubadinow
Leiterin Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin, NHM Wien
Tel.: +43 1 521 77-410
irina.kubadinow@nhm.at
Mag. Klara Vakaj
Pressereferentin, NHM Wien
Tel.: +43 1 521 77-626
klara.vakaj@nhm.at
Paläogeografische Karte des mittleren Miozäns vor etwa 15 Millionen Jahren, exemplarisch für eine Zeiteinheit mit vergleichsweise geringer Funddichte aber hohem Potenzial für Neuentdeckungen
Kammmuscheln der Art Oopecten gigas (Schlotheim, 1813) aus dem mittleren Miozän von Wiedendorf in Niederösterreich
© NHM Wien, Alice Schumacher
Steinkoralle Heliastraea sp. aus dem mittleren Miozän von Pötzleinsdorf bei Wien
© NHM Wien, Alice Schumacher