Gutes Sammeln – Böses Sammeln
150 Jahre Naturhistorisches Museum Wien
ab 28. April 2026
Sonderausstellung in den Sonderausstellungsräumen im 1. Stock
Am 29. April 1876 gründete
Kaiser Franz Joseph I. mit seiner Unterschrift das Naturhistorische Museum Wien im rechtlichen Sinn, am 30. April 1876 berief
er den Geologen Ferdinand von Hochstetter zu dessen ersten Intendanten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Gebäude des Museums
an der Wiener Ringstraße bereits mitten im Bau – im August 1889 kam es schließlich zur feierlichen Eröffnung.
Heute beherbergt das Haus mit mehr als 30 Millionen Objekten eine der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Sammlungen der Welt. Das NHM Wien ist ein einzigartiges Archiv für die Entstehung und Entwicklung der Erde und des Lebens. Es dokumentiert Geschichte und Aufbau unseres Planeten, zeigt die Vielfalt des Lebens auf der Erde und gibt Einblick in die Entwicklung des Menschen. Wie kaum ein anderes naturhistorisches Museum erforscht es anhand von biologischen, geologischen, paläontologischen, mineralogischen, anthropologischen, urgeschichtlichen und kulturhistorischen Objekten das gesamte Spektrum der Natur in Vergangenheit und Gegenwart.
Das 150-jährige Jubiläum ist für das NHM Wien nun Anlass für eine kritische Rückschau auf die eigene Geschichte. Dabei stehen die Lust am Sammeln und die Freude am Entdecken und Erforschen, die bis heute die Wissenschafter*innen antreiben, den Schattenseiten des Sammelns und der Sammlungen gegenüber.
Manche Objekte erscheinen janusköpfig, sind sie doch wissenschaftlich einzigartig und zugleich durch ihren problematischen Erwerbskontext belastet. Waren die berühmten Expeditionen des 19. Jahrhunderts ein ehrenhafter Versuch, Wissen zu vermehren und exotische Objekte für die kaiserlichen Sammlungen zu lukrieren – oder war eine koloniale Agenda die wahre Motivation? Wie wurde mit Objekten verfahren, die während der NS-Zeit unrechtmäßig ans Haus kamen, und wie sind Stücke zu bewerten, die auf ethisch bedenkliche Weise in die Sammlungen gelangten? Je nach Standpunkt fungiert ein Objekt als nüchterner Träger wissenschaftlicher Information oder als Manifestation fragwürdiger Sammlungsmethoden. Je nach Perspektive ist ein Sammlungsobjekt materiell wertvoll und zugleich von geringem wissenschaftlichen Interesse. Umgekehrt kann ein unscheinbares, winziges Insekt ein Weltunikat sein, dessen Verlust nicht in Geld aufzuwiegen ist.
Diese im NHM Wien und seinen Sammlungen manifest werdende Ambivalenz stellt das Leitmotiv der Ausstellung dar und prägt ihre Architektur und Gestaltung. Bewusst nahm das Gestalter*innen-Team von breadedEscalope und Benedikt Haid unerwartete Standpunkte ein, um die Sammlungen bzw. ausgewählte Objekte in ungewohnter Perspektive zu beleuchten und neu zu kontextualisieren. So entstand eine Ausstellung, die mit den üblichen Sehgewohnheiten und Erwartungen bricht und trotz der komplexen Themen die intensive und oft liebevolle Verbindung der Kurator*innen mit „ihren“ Sammlungen spüren lässt. Denn erst durch die Wissenschafter*innen und die Anwendung neuer Methoden ergeben sich immer wieder neue Fragestellungen, die die Bedeutung der Sammlungen für unsere moderne Wissensgesellschaft zeigen.
In den Kabinetten wird die Geschichte des Hauses seit den ersten Anfängen unter Maria Theresia und Franz I. Stephan von Lothringen thematisiert und ikonische Momente der Sammlung beleuchtet. Von den ersten Sammlungskatalogen über die von Kaiser Franz Joseph I. unterfertigte Gründungsurkunde des NHM Wien und einem historischen Spucknapf aus einem der Schausäle erstreckt sich der Bogen bis zu von Klimakleber*innen hinterlassenen Handabdrücken, die eindrücklich zeigen, welchen Veränderungen die Gesellschaft in den letzten 150 Jahren unterworfen war.
Ein anderer Themenschwerpunkt der Kabinette sind die weiteren Standorte des NHM Wien: das Nationalparkinstitut Donauauen in Petronell, das archäologische Forschungszentrum in Hallstatt und die Pathologisch-Anatomische Sammlung im sogenannten Narrenturm in Wien. Im 20. und 21. Jahrhundert begannen Künstler*innen, sich vermehrt mit dem Museum und seinen Sammlungen auseinanderzusetzen und eröffneten dabei völlig neue Sichtweisen. Von Malerei und Fotografie bis Performance und dem Einsatz künstlicher Intelligenz reicht das kreative Spektrum an Werken, die als eigene Galerie innerhalb der Ausstellung kuratiert sein werden.
Die beiden Haupträume sind ganz dem Thema des Sammelns in seiner Vielschichtigkeit und Ambivalenz gewidmet. Die rasterförmige Anordnung des einen Saales spiegelt die Idee des Ordnens und Systematisierens. Den Rasterknoten sind einzelne Themenkomplexe zugeordnet, die in ihrer Vielfalt die Komplexität der Sammlungen aufzeigen. Der andere Saal gibt diese strenge Struktur auf und regt – im wörtlichen Sinne – anhand einiger ikonischer Objekte zum Wechsel der Perspektive(n) an.
Das digitale Museum bildet den Schluss – oder den Anfang – des Rundgangs. Hier werden durch interaktive Animationen hochauflösende 3D-Modelle von Sammlungsobjekten projiziert und es wird die Frage aufgeworfen, ob das digitale Objekt ein adäquater Ersatz für „das Echte“ sein kann und was dies für das „Museum der Zukunft“ bedeuten könnte.
Heute beherbergt das Haus mit mehr als 30 Millionen Objekten eine der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Sammlungen der Welt. Das NHM Wien ist ein einzigartiges Archiv für die Entstehung und Entwicklung der Erde und des Lebens. Es dokumentiert Geschichte und Aufbau unseres Planeten, zeigt die Vielfalt des Lebens auf der Erde und gibt Einblick in die Entwicklung des Menschen. Wie kaum ein anderes naturhistorisches Museum erforscht es anhand von biologischen, geologischen, paläontologischen, mineralogischen, anthropologischen, urgeschichtlichen und kulturhistorischen Objekten das gesamte Spektrum der Natur in Vergangenheit und Gegenwart.
Das 150-jährige Jubiläum ist für das NHM Wien nun Anlass für eine kritische Rückschau auf die eigene Geschichte. Dabei stehen die Lust am Sammeln und die Freude am Entdecken und Erforschen, die bis heute die Wissenschafter*innen antreiben, den Schattenseiten des Sammelns und der Sammlungen gegenüber.
Manche Objekte erscheinen janusköpfig, sind sie doch wissenschaftlich einzigartig und zugleich durch ihren problematischen Erwerbskontext belastet. Waren die berühmten Expeditionen des 19. Jahrhunderts ein ehrenhafter Versuch, Wissen zu vermehren und exotische Objekte für die kaiserlichen Sammlungen zu lukrieren – oder war eine koloniale Agenda die wahre Motivation? Wie wurde mit Objekten verfahren, die während der NS-Zeit unrechtmäßig ans Haus kamen, und wie sind Stücke zu bewerten, die auf ethisch bedenkliche Weise in die Sammlungen gelangten? Je nach Standpunkt fungiert ein Objekt als nüchterner Träger wissenschaftlicher Information oder als Manifestation fragwürdiger Sammlungsmethoden. Je nach Perspektive ist ein Sammlungsobjekt materiell wertvoll und zugleich von geringem wissenschaftlichen Interesse. Umgekehrt kann ein unscheinbares, winziges Insekt ein Weltunikat sein, dessen Verlust nicht in Geld aufzuwiegen ist.
Diese im NHM Wien und seinen Sammlungen manifest werdende Ambivalenz stellt das Leitmotiv der Ausstellung dar und prägt ihre Architektur und Gestaltung. Bewusst nahm das Gestalter*innen-Team von breadedEscalope und Benedikt Haid unerwartete Standpunkte ein, um die Sammlungen bzw. ausgewählte Objekte in ungewohnter Perspektive zu beleuchten und neu zu kontextualisieren. So entstand eine Ausstellung, die mit den üblichen Sehgewohnheiten und Erwartungen bricht und trotz der komplexen Themen die intensive und oft liebevolle Verbindung der Kurator*innen mit „ihren“ Sammlungen spüren lässt. Denn erst durch die Wissenschafter*innen und die Anwendung neuer Methoden ergeben sich immer wieder neue Fragestellungen, die die Bedeutung der Sammlungen für unsere moderne Wissensgesellschaft zeigen.
In den Kabinetten wird die Geschichte des Hauses seit den ersten Anfängen unter Maria Theresia und Franz I. Stephan von Lothringen thematisiert und ikonische Momente der Sammlung beleuchtet. Von den ersten Sammlungskatalogen über die von Kaiser Franz Joseph I. unterfertigte Gründungsurkunde des NHM Wien und einem historischen Spucknapf aus einem der Schausäle erstreckt sich der Bogen bis zu von Klimakleber*innen hinterlassenen Handabdrücken, die eindrücklich zeigen, welchen Veränderungen die Gesellschaft in den letzten 150 Jahren unterworfen war.
Ein anderer Themenschwerpunkt der Kabinette sind die weiteren Standorte des NHM Wien: das Nationalparkinstitut Donauauen in Petronell, das archäologische Forschungszentrum in Hallstatt und die Pathologisch-Anatomische Sammlung im sogenannten Narrenturm in Wien. Im 20. und 21. Jahrhundert begannen Künstler*innen, sich vermehrt mit dem Museum und seinen Sammlungen auseinanderzusetzen und eröffneten dabei völlig neue Sichtweisen. Von Malerei und Fotografie bis Performance und dem Einsatz künstlicher Intelligenz reicht das kreative Spektrum an Werken, die als eigene Galerie innerhalb der Ausstellung kuratiert sein werden.
Die beiden Haupträume sind ganz dem Thema des Sammelns in seiner Vielschichtigkeit und Ambivalenz gewidmet. Die rasterförmige Anordnung des einen Saales spiegelt die Idee des Ordnens und Systematisierens. Den Rasterknoten sind einzelne Themenkomplexe zugeordnet, die in ihrer Vielfalt die Komplexität der Sammlungen aufzeigen. Der andere Saal gibt diese strenge Struktur auf und regt – im wörtlichen Sinne – anhand einiger ikonischer Objekte zum Wechsel der Perspektive(n) an.
Das digitale Museum bildet den Schluss – oder den Anfang – des Rundgangs. Hier werden durch interaktive Animationen hochauflösende 3D-Modelle von Sammlungsobjekten projiziert und es wird die Frage aufgeworfen, ob das digitale Objekt ein adäquater Ersatz für „das Echte“ sein kann und was dies für das „Museum der Zukunft“ bedeuten könnte.
© breadedEscalope / Benedikt Haid