Neugestaltung der Herpetologischen Schausäle „Lurch raus – Schuppen ab“: Amphibien und Reptilien im neuen Glanz

29. April 2025
Die Herpetologische Sammlung des NHM Wien wird seit 1806 wissenschaftlich betreut und umfasst hunderttausende Präparate von Amphibien (Lurchen) und Reptilien (Kriechtieren), von denen manche über 200 Jahre alt sind. Nach eineinhalbjähriger Generalsanierung erstrahlen die beiden Schausäle der Herpetologie (Saal 27 und 28 im 2. Stock) in neuem Glanz.

O-Töne zur Neugestaltung der Herpetologischen Schausäle

„Wir hätten die neue Dauerausstellung in den Schausälen 27 und 28  genauso gut ´Begnadet für das Schöne´ taufen können, schmunzelt Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin Dr. Katrin Vohland, „denn unsere pickeligen Kröten, schuppigen Alligatoren und schleimigen Kaulquappen erstrahlen nach eineinhalbjähriger Bauzeit endlich wieder in vollem Glanz. Natürlich effektvoll beleuchtet und vor allem nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen in das System des Lebens eingeordnet und beschriftet.“
 
„Hinter den Kulissen des NHM Wien, abseits der Schauräume, befindet sich eine beeindruckende Sammlung mit rund 200.000 Amphibien und Reptilien, die der Forschung zu Verfügung steht. Etwa 1.000 dieser wertvollen Präparate sind ab sofort in den neu gestalteten Schausälen zu sehen. Die umfassende Restaurierung der historischen Säle war längst überfällig, denn sie zeigten deutliche Spuren der Zeit. Für die neue Dauerausstellung wurden nicht nur die wissenschaftlichen Inhalte vollständig überarbeitet, sondern auch die Vitrinen saniert, die Beleuchtung und Beschriftung modernisiert sowie die Böden instandgesetzt. Zudem erstrahlen die kunstvollen Deckenmalereien, Vergoldungen und Stuckelemente nach sorgfältiger Restaurierung in neuem Glanz.“
 
Dr. Katrin Vohland, Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin, NHM Wien
 
„Besonders stolz sind wir auf ein paar echte Highlights, die in der neuen Dauerausstellung `Lurch raus – Schuppen ab´ gezeigt werden“, erklärt Sammlungsleiterin Dr. Silke Schweiger. “So etwa das Juwelen-Chamäleon (Furcifer campani), das von der außergewöhnlichen Weltreisenden Ida Pfeiffer im 19. Jahrhundert gesammelt wurde. Die Vorstellung, dass diese im Reifrock über die Insel Madagaskar streifte und dort am 3. Jänner 1859 dieses Tier entdeckte, ist einfach unglaublich. Auch die sogenannte Siebenrock-Schildkrötensammlung in Saal 28 ist ein echtes Highlight. Die Panzer der Tiere sind aufklappbar wie eine Schmuckschatulle, sodass Besucher*innen das Skelett im Inneren der Schildröten betrachten können. Aber mein ganz persönliches Lieblingsobjekt ist das Moorfrosch-Diorama, das von unserer Präparatorin Melina Haring gestaltet wurde. Besonders faszinierend ist die Verwandlung der Männchen zur Paarungszeit, wenn sie sich leuchtend blau färben!“

Dr. Silke Schweiger, Leiterin der Herpetologischen Sammlung, NHM Wien

Neue Dauerausstellung: „Lurch raus – Schuppen ab“

Die neue Dauerausstellung „Lurch raus, Schuppen ab“ zeigt rund 1.000 zum Teil seltene Arten. Neben grundlegenden biologischen Informationen werden zahlreiche Besonderheiten präsentiert, etwa die außergewöhnliche Fortpflanzungsstrategie der Darwin-Frösche, deren Larven im Kehlsack der Männchen heranwachsen. Aufwendig gestaltete Dioramen setzen Präparate und lebensechte Modelle in naturalistisch nachgebildeten Lebensräumen in Szene, zum Beispiel die heimischen Moorfrösche, deren Männchen zur Paarungszeit prachtvoll hellblau gefärbt sind. In den neuen Schausälen werden alle 15 Reptilien- und 21 Amphibien-Arten Österreichs, aber auch die ausgestorbene Ungarische Wiesenotter präsentiert. Besucher*innen könnenden Rufen heimischer Frösche lauschen und Erstaunliches über die Jagdstrategien von Schlangen erfahren. Ein 5,5 Meter langer Dunkler Tigerpython auf dem Türsims beeindruckt die Gäste. Wenn man einen Blick nach oben riskiert, bemerkt man die detailreichen Malereien und sehenswerte Wandexponate wie Schlangenskelette und Meeresschildkröten.
 
Spannende Themen wie Kommunikation, Tarnung, Warnverhalten, Jagdstrategien und die Vielfalt beinloser Amphibien und Reptilien, aber auch die Gefährdung durch Lebensraumverlust, Klimawandel, Krankheiten und Wilderei werden an einer Fülle von Beispielen veranschaulicht. Eine einzigartige historische Besonderheit stellt die Siebenrock-Schildkrötensammlung mit aufklappbaren Panzern dar, die einen Blick auf die Skelette im Inneren ermöglichen.

„Quake wie ein Frosch, rufe wie eine Unke und trillere wie eine Kröte“ - neue Installation auf Deck 50

Auf Deck 50 im 3. Stock macht eine riesengroße magentafarbene Kröte Lust, die neu gestalteten Säle zu entdecken. Die interaktive Station bietet dabei ganz unterschiedliche Annäherungen an das Thema Amphibien und Reptilien. Ein Infoscreen bietet einen Überblick über die Highlights der neuen Schausäle, zeigt alle österreichischen Amphibien & Reptilien in Bild und Ton und lädt ein beim Citizen Science Projekt „Amphibien und Reptilien in Österreich unter Beobachtung“ mitzumachen.
 
Die Mitarbeiter*innen der Herpetologischen Sammlung sammeln seit mehr als 35 Jahren  Fundmeldungen der in Österreich heimischen Amphibien- und Reptilienarten. Diese Daten werden in der Herpetofaunistischen Datenbank Österreichs dokumentiert (Datenstand 03/2025: rund 200.000 Fundmeldungen). Beim Sammeln von Funddaten sind wir auch auf die Mithilfe unserer Besucher*innen angewiesen! Wo und wie Sie Ihre Sichtungen melden können, erfahren Sie an der Station.

41 % der Amphibien (Lurche) sind vom Aussterben bedroht. Um sich der vielfältigen Bedrohungen, die diese Tierart ausgesetzt ist, bewusst zu werden, werden an einem Touchscreen gemeinsam mit den Besucher*innen die Gefahren erhoben und in einer Wordcloud anschaulich dargestellt. Emotional, spielerisch und lustig geht es am interaktiven Kunstscreen zu, an dem Besucher*innen   aufgefordert werden, wie ein Frosch zu quaken, wie eine Unke zu rufen oder die schrille lila Kröte zum Trillern zu bringen.
 
Zu den umfangreichen Baumaßnahmen im NHM Wien wurde eine eigene Social Media Reihe realisiert:
https://www.nhm-wien.ac.at/ausstellung/museum_online/mediathek/umbau_des_nhm_wien
 
Wissenschaftlicher Rückfragehinweis:
Dr. Silke Schweiger
Leiterin der Herpetologischen Sammlung, NHM Wien
https://www.nhm-wien.ac.at/silke_schweiger
Tel.: +43 (1) 521 77 – 619 I silke.schweiger@nhm.at

Allgemeiner Rückfragehinweis:
Mag. Irina Kubadinow
Leitung Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin
https://www.nhm-wien.ac.at/irina_kubadinow
Tel.: + 43 (1) 521 77 - 410 | irina.kubadinow@nhm.at
 
Mag. Nikolett Kertész-Schenk, Bakk. BA MAS
Pressereferentin
https://www.nhm-wien.ac.at/nikolett_kertesz
Tel.: + 43 (1) 521 77 - 626 | nikolett.kertesz@nhm.at
 
Mag. Daniela Emminger-Stebegg
Pressereferentin
https://www.nhm-wien.ac.at/daniela_emmingerstebegg
Telefon: +43 1 521 77 - 680 | daniela.emminger-stebegg@nhm.at
Herpetologische Schausäle, Saalansicht 27
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Herpetologische Schausäle, Saalansicht 27
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Herpetologische Schausäle, Saalansicht 28
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Herpetologische Schausäle, Saalansicht 28
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Amphibien und Reptilien in neuem Glanz: Vitrine mit Gavialen
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Vitrine "Siebenrocks Schildkröte"
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Zwischen 1886 und 1920 wurden in der Präparationswerkstatt des NHM Wien nach Vorgaben des Zoologen Friedrich Siebenrock, der fast sein ganzes Berufsleben im Museum verbrachte, 270 Schildkröten-Präparate angefertigt. Diese Sammlung ist durch ihren Umfang und durch die aufklappbaren Bauchpanzer einzigartig.
Vitrine "Amphibien und Reptilien Österreichs"
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Weltweit sind über 7.000 Amphibien- und über 11.000 Reptilienarten bekannt. In Österreich sind nur 21 Amphibien- und 15 Reptilienarten heimisch, darunter zwei Giftschlangenarten (Kreuzotter und Hornviper).
Dunkler Tigerpython, Python bivittatus
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Süd- & Südostasien (eingeführt in Florida, USA)
Vitrine "Himmelblaue Verführung"
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Der Moorfrosch Rana arvalis (hier Modelle) auas der Familie der Echten Frösche (Ranidae) kommt - anders, als sein Name vermuten lässt - nicht nur in Mooren, sondern auch in feuchten Wäldern und Wiesen vor. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Frankreich bis Sibirien. Nur bei den Männchen schimmert während der sehr kurzen Paarungszeit im Frühjahr die sonst braune Haut himmelblau. Die Intensität der Blaufärbung hängt von Temperatur, Sonneneinstrahlung und Anzahl der Frösche am Laichgewässer ab.
Vitrine "Regenwaldjuwelen"
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Pfeilgiftfrösche (Fam. Dendrobatidae; hier als Modelle) sind in Mittel- und Südamerika verbreitet und umfassen über 200 Arten, wovon hier 10 Arten zu sehen sind. Die oft auffälligen Farben dienen zur Abschreckung. Ihre Hautgifte gewinnen sie aus ihrer Nahrung  wie Milben und Ameisen.Viele Arten legen ihre Eier an Land und tragen ihre Kaulquappen auf dem Rücken zu Pflanzen mit kleinen Wasseransammlungen.
Größter und kleinster Frosch der Welt: Goliathfrosch und Amau-Frosch
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Goliathfrosch, Conraua goliath, Kamerun & Äquatorialguinea
Amau-Frosch, Paedophryne amauensis, Papa Neuguinea, Modelle
"Kinderguckloch": Nilkrokodil-Eier, Subsahara Afrika & Ägypten
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Modell eines Vietnamesischen Moosfrosches (Theloderma corticale)
© NHM Wien, Chloé Potter
für die neue Amphibien- und Reptilienausstellung „Lurch raus – Schuppen ab“, mit dem NHM Wien Modell- und Dioramenbauerin Iris Rubin den 1.Platz in der Kategorie „Professional“ bei der 14. Europameisterschaft der Präparator*innen gewann.
Restaurierungsarbeiten Saal 27 – vorher, nachher
© Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detail von Lünette 5, Saal 27 vor der Konservierung und Restaurierung
Restaurierungsarbeiten Saal 27 - vorher, nachher
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detail von Lünette 5, Saal 27 nach der Konservierung und Restaurierung
Restaurierungsarbeiten Saal 28 - vorher, nachher
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detail von einem Putti der Lünette 4, Saal 28 vor der Konservierung und Restaurierung
Restaurierungsarbeiten Saal 28 - vorher, nachher
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detail von einem Putti der Lünette 4, Saal 28 nach der Konservierung und Restaurierung
Restaurierungsarbeiten Saal 27
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detail während der Reinigung von Lünette 3, Saal 27
Restaurierungsarbeiten Saal 27 – Detail während der Reinigung der Stuckdecke
© Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at

Restaurierungsarbeiten Saal 28
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detail während der Reinigung von Lünette 3, Saal 28
Restaurierungsarbeiten Saal 27
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detail während der Reinigung von Wange 1, Saal 27
Restaurierungsarbeiten Saal 27
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detailaufnahme der Lünette 4, Saal 27 nach der Reinigung und vor der Retusche
Restaurierungsarbeiten Saal 27
(c) Anna Boomgaarden, wandmalerei-restaurierung.at
Detailaufnahme der Lünette 4, Saal 27 nach der Retusche
Neue Installation auf Deck 50: "Quake wie ein Frosch, rufe wie eine Unke, und trillere wie eine Kröte"
(c) NHM Wien, Wilhelm Bauer
Sujet zur neuen Dauerausstellung "Lurch raus - Schuppen ab"
(c) NHM Wien
  
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