Barocker Typenkatalog von Ignaz von Born jetzt digital verfügbar
02. März 2026
Ignaz von Born war der erste Wissenschaftler, der die kaiserlichen Naturkundesammlungen erfassen sollte. Er veröffentlichte
einen umfassenden Katalog, in dem alle in der Sammlung vorhandenen Weichtier-Arten einheitlich und wissenschaftlich korrekt
benannt wurden. Die von ihm vor fast 250 Jahren neu beschriebenen Arten wurden nun fachlich überarbeitet und digital zugänglich
gemacht.
Im Jahr 1776 wurde der Mineraloge, Metallurg und Malakologe (Weichtierkundler) Ignaz von
Born (1742–1791) von Maria Theresia (1717–1780) nach Wien berufen. Seine Aufgabe: die enorme naturwissenschaftliche Sammlung
ihres 1765 verstorbenen Ehemanns, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, systematisch zu erfassen und zugänglich zu machen.
Born entschied sich, mit der umfangreichen Weichtiersammlung zu beginnen.
Akribisch durchforstete er die neueste Literatur, korrespondierte mit europäischen Kollegen, beschrieb neue Arten und ließ hochqualitative Zeichnungen der Objekte anfertigen. Kurz darauf veröffentlichte er die Ergebnisse seiner umfangreichen Forschungstätigkeiten in zwei Büchern. 1778 erschien eine kleine, handliche und günstigere Taschenbuch-Version. Sie enthielt lediglich eine Bildtafel. Zwei Jahre später, 1780, folgte die detailreich ausgestaltete Prunk-Edition mit 18 prächtigen Farbtafeln zu wichtigen Objekten der kaiserlichen Sammlung.
Mit seinem wissenschaftlichen Ansatz und der Verwendung des damals neu eingeführten taxonomischen Systems von Carl von Linné (1707–1778) legte Born den Grundstein für den ältesten und wertvollsten Teil der heutigen Molluskensammlung (Weichtiersammlung) des Naturhistorischen Museums Wien.
Nicht alle Sammlungsverantwortlichen erkannten in den darauffolgenden Jahrhunderten die Bedeutung der "originalen" Objekte von Born. So wurden einige der Stücke für Ausstellungen verwendet, andere wiederum wurden getauscht oder schlicht und einfach durch vermeintlich ansehnlichere Exemplare ersetzt.
Friedrich Brauer (1832–1904) war der erste Kustos, der die Bedeutung und den Wert der Möglichkeit zur genauen Nachverfolgung jeder einzelnen von Born beschriebenen Art erkannte und Borns umfassende Analyse 1878 veröffentlichte. Um sie in ihrer Einzigartigkeit zu erhalten, wird die sogenannte Born-Sammlung seitdem getrennt von anderen Sammlungsobjekten in den originalen Schubladen aufbewahrt.
Die Suche nach versteckten oder verschollen geglaubten Originalen aus der Born-Sammlung dauert bis heute an. Die sorgfältige Digitalisierung der Sammlungsbestände und das Wissen um die Geschichte dieser historischen Sammlung sind dabei essenziell.
Nach fast 250 Jahren geduldiger, teils detektivischer Suche und dank fortschrittlicher technischer Möglichkeiten sind nun die meisten Born-Stücke zusammengeführt, vollständig digitalisiert und in hochauflösenden Bildern dokumentiert. Im Rahmen der Digitalisierung wurden alle Typen – also alle von Born neu beschriebenen Arten – für einen Typenkatalog vorbereitet. Hierfür wurden die in Latein und Deutscher Frakturschrift verfassten Originalbeschreibungen transkribiert und ins Englische übersetzt.
In einem ersten Teil sind insgesamt 39 Typen von Muscheln (Bivalven), Kahnfüßern (Scaphopoda) und Armfüßern (Brachiopoda) beschrieben und abgebildet. Der zweite Teil ist in Vorbereitung und wird sich mit den Schnecken (Gastropoda) beschäftigen. Der Vergleich der detailreichen Handzeichnungen mit den Objekten zeigt die hohe Qualität der Original-Bildtafeln.
Schon Born war die Möglichkeit, weit entfernt lebenden Kollegen mit seiner Taschenbuch-Ausgabe einen Einblick in die Molluskensammlung der kaiserlichen Wiener Sammlung zu geben, ein großes Anliegen. Die neue Online-Publikation setzt Borns Grundidee auf neuestem wissenschaftlichem Stand weltweit fort. Dank des digitalisierten Typenkatalogs können nun Forschende auf der ganzen Welt die Informationen zu den beschriebenen Arten jederzeit online abrufen und frei nutzen. Dies zu ermöglichen ist eine wichtige Aufgabe heutiger naturwissenschaftlicher Sammlungen und Museen.
Der originale Prachtband von Ignaz von Born wird in der Jubiläums-Ausstellung "Gutes Sammeln – Böses Sammeln. 150 Jahre Naturhistorisches Museum Wien" ab 29. April 2026 zu sehen sein.
Online-Version des Typenkatalogs: https://zse.pensoft.net/article/161837/
Wissenschaftlicher Rückfragehinweis:
Mag. Anita Eschner
Kuratorin der Molluskensammlung
Tel.: +43 (1) 52177-376
anita.eschner@nhm.at
Allgemeiner Rückfragehinweis:
Mag. Irina Kubadinow
Leitung Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin
Tel.: +43 (1) 521 77-410
irina.kubadinow@nhm.at
Mag. Klara Vakaj
Pressereferentin
Tel.: +43 (1) 521 77-626
klara.vakaj@nhm.at
Akribisch durchforstete er die neueste Literatur, korrespondierte mit europäischen Kollegen, beschrieb neue Arten und ließ hochqualitative Zeichnungen der Objekte anfertigen. Kurz darauf veröffentlichte er die Ergebnisse seiner umfangreichen Forschungstätigkeiten in zwei Büchern. 1778 erschien eine kleine, handliche und günstigere Taschenbuch-Version. Sie enthielt lediglich eine Bildtafel. Zwei Jahre später, 1780, folgte die detailreich ausgestaltete Prunk-Edition mit 18 prächtigen Farbtafeln zu wichtigen Objekten der kaiserlichen Sammlung.
Mit seinem wissenschaftlichen Ansatz und der Verwendung des damals neu eingeführten taxonomischen Systems von Carl von Linné (1707–1778) legte Born den Grundstein für den ältesten und wertvollsten Teil der heutigen Molluskensammlung (Weichtiersammlung) des Naturhistorischen Museums Wien.
Nicht alle Sammlungsverantwortlichen erkannten in den darauffolgenden Jahrhunderten die Bedeutung der "originalen" Objekte von Born. So wurden einige der Stücke für Ausstellungen verwendet, andere wiederum wurden getauscht oder schlicht und einfach durch vermeintlich ansehnlichere Exemplare ersetzt.
Friedrich Brauer (1832–1904) war der erste Kustos, der die Bedeutung und den Wert der Möglichkeit zur genauen Nachverfolgung jeder einzelnen von Born beschriebenen Art erkannte und Borns umfassende Analyse 1878 veröffentlichte. Um sie in ihrer Einzigartigkeit zu erhalten, wird die sogenannte Born-Sammlung seitdem getrennt von anderen Sammlungsobjekten in den originalen Schubladen aufbewahrt.
Die Suche nach versteckten oder verschollen geglaubten Originalen aus der Born-Sammlung dauert bis heute an. Die sorgfältige Digitalisierung der Sammlungsbestände und das Wissen um die Geschichte dieser historischen Sammlung sind dabei essenziell.
Nach fast 250 Jahren geduldiger, teils detektivischer Suche und dank fortschrittlicher technischer Möglichkeiten sind nun die meisten Born-Stücke zusammengeführt, vollständig digitalisiert und in hochauflösenden Bildern dokumentiert. Im Rahmen der Digitalisierung wurden alle Typen – also alle von Born neu beschriebenen Arten – für einen Typenkatalog vorbereitet. Hierfür wurden die in Latein und Deutscher Frakturschrift verfassten Originalbeschreibungen transkribiert und ins Englische übersetzt.
In einem ersten Teil sind insgesamt 39 Typen von Muscheln (Bivalven), Kahnfüßern (Scaphopoda) und Armfüßern (Brachiopoda) beschrieben und abgebildet. Der zweite Teil ist in Vorbereitung und wird sich mit den Schnecken (Gastropoda) beschäftigen. Der Vergleich der detailreichen Handzeichnungen mit den Objekten zeigt die hohe Qualität der Original-Bildtafeln.
Schon Born war die Möglichkeit, weit entfernt lebenden Kollegen mit seiner Taschenbuch-Ausgabe einen Einblick in die Molluskensammlung der kaiserlichen Wiener Sammlung zu geben, ein großes Anliegen. Die neue Online-Publikation setzt Borns Grundidee auf neuestem wissenschaftlichem Stand weltweit fort. Dank des digitalisierten Typenkatalogs können nun Forschende auf der ganzen Welt die Informationen zu den beschriebenen Arten jederzeit online abrufen und frei nutzen. Dies zu ermöglichen ist eine wichtige Aufgabe heutiger naturwissenschaftlicher Sammlungen und Museen.
Der originale Prachtband von Ignaz von Born wird in der Jubiläums-Ausstellung "Gutes Sammeln – Böses Sammeln. 150 Jahre Naturhistorisches Museum Wien" ab 29. April 2026 zu sehen sein.
Online-Version des Typenkatalogs: https://zse.pensoft.net/article/161837/
Wissenschaftlicher Rückfragehinweis:
Mag. Anita Eschner
Kuratorin der Molluskensammlung
Tel.: +43 (1) 52177-376
anita.eschner@nhm.at
Allgemeiner Rückfragehinweis:
Mag. Irina Kubadinow
Leitung Presse & Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecherin
Tel.: +43 (1) 521 77-410
irina.kubadinow@nhm.at
Mag. Klara Vakaj
Pressereferentin
Tel.: +43 (1) 521 77-626
klara.vakaj@nhm.at
Typenkatalog von Ignaz von Born
Prachtband von 1780 mit ausgeklappter Farbtafel, dem Originalexemplar einer von Born neu beschriebenen Austern-Art und der
Druckversion des neuen Typenkatalogs
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Prachtband von 1780 mit ausgeklappter Farbtafel, dem Originalexemplar einer von Born neu beschriebenen Koffermuschel-Art und
der Druckversion des neuen Typenkataloges
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Prachtband von 1780 mit ausgeklappter Farbtafel, dem Originalexemplar einer von Born neu beschriebenen Austern-Art und der
Druckversion des neuen Typenkatalogs
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Prachtband von 1780 mit Beschreibungen und Grafiken sowie Originalexemplaren aus der Born-Sammlung
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Buchrücken des Prachtbandes von 1780 mit der Beschriftung: I. Born – Testacea Musei Caesarei
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Druckversion des neuen Typenkataloges mit dem Originalexemplar einer von Born neu beschriebenen Austern-Art und der Taschenbuch-Ausgabe
von 1778
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Druckversion des neuen Typenkatalogs mit dem Originalexemplar einer von Born neu beschriebenen Koffermuschel-Art und der Taschenbuch-Ausgabe
von 1778
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Druckversion des neuen Typenkatalogs mit dem Originalexemplar einer von Born neu beschriebenen Austern-Art und dem Titelblatt
der Taschenbuch-Ausgabe von 1778
© NHM Wien, Chloe Potter
Typenkatalog von Ignaz von Born
Originalexemplar einer von Born beschriebenen Austern-Art mit den dazugehörigen Bildern aus der Druckversion des neuen Typenkatalogs
© NHM Wien, Chloe Potter