NHMW Reports 6: Sammlungsstrategie NHMW
Autor*innen: Katrin Vohland, Andreas Kroh, Andreas Berger, Margit Berner, Sarah Fiedler, Karina Grömer, Elisabeth Haring, Mathias Harzhauser,
Christoph Hörweg, Leah Karas, Uwe Kolitsch, Andrea Krapf, Martin Krenn, Luise Kruckenhauser, Ernst Mikschi, Heimo Rainer,
Tanja Schuster, Mathias Seidel, Silke Schweiger, Johannes Walter, Karin Wiltschke-Schrotta, Eduard Winter & Herbert Zettel
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Zusammenfassung
Das Naturhistorische Museum Wien (NHMW) ist ein als Gesamtkunstwerk angelegtes Gebäude, dessen Deckenverzierungen mit den
Inhalten der Vitrinen in den Schausammlungen korrespondieren. Seinen Kern bilden die wissenschaftlichen Sammlungen. Diese
kulturellen, natürlichen und wissenschaftlichen Zeugnisse sollen die Bundesmuseen laut Bundesmuseen-Gesetz von 2002 „sammeln, konservieren, wissenschaftlich aufarbeiten und dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen“. In der Museumsordnung für das Naturhistorische Museum von 2009 ist festgehalten, dass „die Erweiterung der Sammlungsbestände [...] im Einklang mit den besonderen Zweckbestimmungen gemäß [...] des langfristigen Museumskonzepts und der Rahmenzielvereinbarung [erfolgt]“. Die Aufgabe gemäß des Museumskonzepts des NHMW, besteht darin, seine umfangreichen biologischen, erdwissenschaftlichen,
anthropologischen, archäologischen und kulturwissenschaftlichen Sammlungen zu bewahren, zu erweitern, zu beforschen und zu
präsentieren. Dieses Konzept ist im Leitbild formuliert und wurde für die Forschung weiter spezifiziert.
Entsprechend ist ein wesentliches Ziel des NHMW, durch die sammlungsbasierte exzellente, disziplinäre, interdisziplinäre und
partizipative Forschung, durch innovative und inspirierende Ansätze der Wissenschaftskommunikation sowie durch die digitale
Öffnung der Sammlungen einen signifikanten Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in Österreich, Europa und der Welt zu
leisten.
Die Erweiterung der Sammlungen folgt den ethischen Standards, die durch den International Council of Museums (ICOM) festgelegt
wurden. Unterlassen wird der Erwerb oder die Annahme von Schenkungen von Objekten mit unklarer oder illegaler Herkunft, aus
unwissenschaftlichen Aufsammlungen, nicht genehmigter Feldforschung oder gegen den Willen von Herkunftsgesellschaften. Darüber
hinaus hat das NHMW im Jahr 2021 eine interne Richtlinie zur Umsetzung des Nagoya-Protokolls erlassen, die als Voraussetzung
für die Übernahme von Objekten der entsprechenden Länder (via MTA – material transfer agreement) eine Nutzungsvereinbarung
(MAT – mutually agreed terms) sowie eine Einverständniserklärung (PIC – prior informed consent) voraussetzt. Im Spannungsfeld
der konservatorischen, wissenschaftlichen und ethischen Verantwortung für die Sammlungen als Teil des übergeordneten Museumkonzepts
sowie den dafür nötigen Ressourceneinsatz verschriftlicht das NHMW im Folgenden seine Sammlungsstrategie.