Am südlichen Westufer des Attersees im österreichischen Salzkammergut befinden sich die neolithischen Seeufersiedlungen Misling
I und Misling II, die im Jahre 1904 von Theodor Wang entdeckt und im Auftrag von Max Schmidt, einem Möbelfabrikanten, weiter
zum Teil auch mit einem Bagger untersucht wurden. Später arbeitete Theodor Wang auch mit der Prähistorischen Abteilung des
Naturhistorischen Museums und mit dem Heimathaus Vöcklabruck zusammen. Im Jahr 1931 begann Kurt Willvonseder sich mit den
Pfahlbaustationen am Attersee zu beschäftigen und führte im Jahr 1934 erste Vermessungen beider Stationen durch.
Die Station Misling I befindet sich südlich des Schwendterecks in einer kleinen Bucht und hat circa 85 m Länge und 20 m Breite.
Somit war sie ein wenig kleiner als die Station Misling II, die südlich von Misling I gelegen ist und eine Länge von mehr
als 100 m und eine Breite von etwa 30 m aufweist. In den 1970er Jahren unternahm Johann Offenberger vom Bundesdenkmalamt gemeinsam
mit Sporttauchern des UTC Wels eine genaue Bestandsaufnahme und Vermessung der beiden Stationen. Aufgrund dieses pfahlgetreuen
Vermessungsplanes war es sogar möglich, mehrere Hausgrundrisse mit einer Größe von 4×6 und 3×4 m zu erkennen. Diese Häuser
wurden mit verschiedenen Substruktionen auf trockengefallenen Strandplatten des Sees errichtet.
Radiokarbonbestimmungen datieren die Station Misling I auf 3080 BC und die Station Misling II von 3120 BC, 3390 BC bis 3530
BC (nach Stadler 1995, 218).
Petrographische Untersuchungen der Steingeräte ergaben, dass das Rohmaterial der Steingeräte beinahe ausschließlich aus dem
alpinen Bereich beziehungsweise aus den Flussschottern des Alpenraumes bezogen wurde. Es fanden sich aber auch Materialien
aus der unmittelbaren Umgebung der Fundstellen, ebenso ortsfremdes Material auch aus nicht alpiner Herkunft und Materialien
fraglicher Herkunft.
Archäobotanische Untersuchungen der Holzproben aus dem Jahr 1975 von Misling II zeigten, dass die am häufigsten vertretene
Baumart die Fichte war, die eine gute Spaltbarkeit aufweist und rasch wächst. Die ebenso verwendeten Pappeln, Weiden und Erlen
sind typische Uferhölzer, die ebenfalls rasch wachsen. Andere Baumarten wie die Birke, die Esche, Ahorn, Buche etc. wurden
in geringerer Menge ebenfalls genutzt. Um die Aspekte der Umwelt und der Wirtschaftsweise der Siedler zu erfassen, wurden
auch die pflanzlichen Reste analysiert.
Die Haus- und Wildtierreste der Pfahlbaustation Misling II der Untersuchungsjahre 1974–1976 von Johann Offenberger ergaben
typische Zerschlagungsspuren der Knochen von Schlacht- und Speiseabfällen. Bei den Haustierarten waren Rind, Schaf, Schwein,
Hund und Pferd, bei den Wildtierarten Auerochse, Gämse, Elch, Rothirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs, Baummarder und Biber sowie
vier Wildvogelknochen vertreten.
Als Einführung zum Katalog wurden die für die Fundbeschreibungen verwendeten Begriffe (Thesauri) einheitlich definiert. Teils
wurden sie aus anderen Publikationen übernommenen, teils auch im Rahmen des Projektes eigenständig neu entworfen. Die charakterisierenden
Merkmale wurden nach Fundgattungen getrennt beschrieben und zum Teil mit Illustrationen versehen dargestellt.