GENchangers.

Entschlüsselte Geheimnisse aus frühmittelalterlichen Gräberfeldern

ab 13. Oktober 2026
Sonderausstellung im Saal 21 im 2. Stock
Generationen: Großeltern, Eltern, Kinder. Kennen wir doch. Aber was, wenn wir die Verwandtschaftsverhältnisse von Menschen erfahren, die vor über 1.200 Jahren gelebt haben? Dann sehen wir zwischenmenschliche Verbindungen, die in einer Zeit großer Umbrüche und Veränderungen Stabilität gaben. Damit können wir eine neue Geschichte der sogenannten Völkerwanderung erzählen. Was bisher unmöglich war, wird durch die Aufnahme der Genetik in die vielfältige Erforschung des frühen Mittelalters möglich, und bisher Unsichtbares wird sichtbar: das Leben der breiten Bevölkerung.
Ausgehend von zwei frühmittelalterlichen Gräberfeldern der nahe bei Wien gelegenen Ortschaften Leobersdorf und Mödling entfaltet sich in der Sonderausstellung ein Einblick in die Lebenswelten der einfachen Menschen: Wie sie sich ansiedelten und ihre Gemeinschaft und Kultur lebten. Wer mit wem verwandt war, gemeinsam Kinder hatte, nebeneinander begraben wurde. Zugleich erfahren wir mehr über ihre Ernährung, Kindheit, Gesundheit und Mobilität. Von hier weitet sich unser Blick auf Zusammenhänge und Unterschiede zu anderen Gemeinschaften in Mitteleuropa, die nicht Völker sein mussten, um zu wandern, und auch über lange Perioden sesshaft waren.

Die Ergebnisse, die in dieser Ausstellung präsentiert werden, stammen aus HistoGenes, dem bisher größten archäogenetischen Forschungsprojekt weltweit, das 2026 seinen Abschluss findet. Koordiniert in Österreich und angesiedelt an zwölf renommierten europäischen und US-amerikanischen Forschungsstätten, vereint das Projekt über 40 Forscher*innen aus Anthropologie, Archäologie, Geschichte und Genetik, um gemeinsame Methoden zu entwickeln und neue Antworten zu finden. Ihre detaillierte Spurensuche an Knochen, Genen, Fundstücken und Schriftstücken können die Besucher*innen sowohl in Hands-on-Bereichen als auch an vielen Beispielen nachvollziehen.

Die Sonderausstellung am NHM Wien widmet sich der Entstehung von Gemeinschaften und dem Wechsel der Generationen in Mitteleuropa, den Ergebnissen der Genforschung und den neuen Arbeitsweisen von Archäologie, Anthropologie und Geschichte – den Gen- und Game Changers, die Geheimnisse des frühen Mittelalters entschlüsseln.
Das Forschungsprojekt HistoGenes, dessen Ergebnisse in diese Ausstellung einfließen, wurde vom Europäischen Forschungsrat (ERC) im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizont 2020“ der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 856453 gefördert.
 
Knochenfunde mit farbiger Fotobearbeitung
  
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