Presserundgang zur neuen Sonderausstellung Safe Sex. Comeback der Geschlechtskrankheiten
Ort: Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm, Spitalgasse 2, Uni-Campus Hof 6, 1090 Wien
Lust & Risiko - Warum wir über Geschlechtskrankheiten reden sollten:
Aktuelle Untersuchungen
zeigen einen Anstieg an Fällen von sexuell übertragbaren Infektionen (STIs). Dies kann jede und jeden treffen, unabhängig
von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder sozioökonomischem Status. Die neue Sonderausstellung "Safe Sex. Comeback
der Geschlechtskrankheiten" im Narrenturm gibt einen Einblick in die Geschichte und Krankheitsbilder verschiedener
STIs, aber auch in Prävention und aktuelle Behandlungsmethoden.
Ihre Gesprächspartner*innen sind:
Dr. Katrin Vohland
Generaldirektorin und wissenschaftliche
Geschäftsführerin, NHM Wien
Eduard Winter und Laura Lick, MA
Kurator*innen der Sonderausstellung,
NHM Wien
Dr. Horst Schalk
Arzt für Allgemeinmedizin
Mag. Andrea Brunner
Geschäftsführerin, Aids Hilfe Wien
Geschlechtskrankheiten sind wahrscheinlich
so alt wie die Menschheit. Erste Beschreibungen finden sich bereits in Berichten aus dem alten Ägypten und im Alten Testament.
Der Begriff Gonorrhoe stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet nichts anderes als Samenfluss. Der griechische Arzt Galen
empfahl im 2. Jahrhundert sexuelle Abstinenz als Therapie – die sexuelle Übertragung von Krankheiten war also bereits damals
bekannt.
Im 15. Jahrhundert hatte das Aufkommen der Syphilis eine eingehendere Auseinandersetzung mit Geschlechtskrankheiten
zur Folge. Die Ursache wurde allerdings oft in einem "lasterhaften und liederlichen" Lebenswandel gesehen, als vermeintliche
Strafe Gottes. Auch mit Bodenausdünstungen oder "venerischen Giften" versuchte man, die Krankheiten zu erklären. "Venerisch"
bezieht sich auf die Liebesgöttin Venus – eine Anspielung auf die Verbindung von Scham und Sexualität. Das sich entwickelnde
medizinische Fachgebiet wurde und wird als Venerologie bezeichnet. Die häufigsten Krankheiten, mit denen sich Venerolog*innen
in der Anfangszeit auseinandersetzten, waren Syphilis, Gonorrhoe, Lymphogranuloma venereum, Granuloma inguinale und Ulcus
molle. Mittlerweile kennt die Medizin wesentlich mehr Krankheitsbilder – man spricht heute von sexuell übertragbaren Infektionen
(STIs).
Aktuell gelten Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien, Hepatitis und HIV in Europa als die "Big Five" der Geschlechtskrankheiten. Laut neuesten Untersuchungen des ECDC (European Center of Disease Control) ist die Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) wieder im Steigen begriffen. Schätzungen der WHO zufolge kommt es europaweit täglich zu circa 1 Million Übertragungen.
Die Ausstellung zeigt nicht nur die Geschichte der Geschlechtskrankheiten, sondern nimmt auch Bezug auf aktuelle Themen wie AIDS-Therapie und HPV-Impfung, die erste "Impfung gegen Krebs". Anhand historischer Präparate werden unterschiedliche Krankheitsbilder gezeigt und erklärt. Da viele STIs mittlerweile gut therapierbar sind, wird ein besonderer Fokus auf Aufklärung und Prävention gelegt – nach dem Motto: Behandlung ist gut, Vorbeugen ist besser. Da sexuell übertragbare Infektionen neben körperlichen Beschwerden auch gesellschaftliche Folgen haben, ist dieses Thema ebenfalls vertreten. Stigmatisierung und Ausgrenzung sollten heute bei Krankheiten eigentlich keine Rolle spielen, trotzdem werden Betroffene auch im 21. Jahrhundert noch diskriminiert. STIs können jede Person treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung und sozioökonomischem Status.
Wissen über STIs hilft nicht nur Ihnen, sondern auch anderen!